Posts Tagged ‘Kind’

I ♥ Trees

10 November 2009

Das Kind ist am Sonntag gegen einen Baum gesprungen. Bewusst. Beim ersten Mal hat es noch ohne Blessuren geklappt, denn der Baum war ein Neigebaum. Beim nächsten Mal neigte sich der Baum nicht mehr und das Kind hat jetzt einen blauen Fleck im Gesicht, es flossen Tränen.

Das Kind meinte später, ich dürfe mir was wünschen. Wieso? Natürlich angelehnt an das Sams, das blaue Punkte im Gesicht hat, und bei jedem Wunsch, den sein Papa ausspricht (sie gehen immer in Erfüllung!), wird es ein Punkt weniger. Ich wünschte mir also unendliche Freizeit bedingt durch finanziell absicherte Abwesenheit von Arbeit (also einen echt hohen Geldgewinn jedweden Ursprungs).

Der blaue Punkt blieb und verblasst langsam, die unendliche Freizeit bleibt noch aus.

Miterziehen

16 Oktober 2008

Eine Mutter und ihr müdes Kind (mit vier Jahren in bestem Trotzalter) kommen abends nach Hause. Die Laune des Kindes schlägt um und es verlangt nach seinem Vater, der in einer Lesung sitzt und gerade nicht zur Verfügung steht. Dies wird mit lautem Kreischen und weinen quittiert, tja, hilft nix (denkt die Mutter und setzt sich aufs Mäuerchen beim Haus). Abwarten ist die Devise. Doch moment. Ein älterer Herr eilt von der anderen Straßenseite herbei mit dem festen Vorsatz, der Mutter zu helfen. Na, meine Kleine, sagt der Schwabe? Bayer? was is denn hör doch mal auf is doch nich so schlimm tätschel tätschel. Lassen Sie das mal, sagt die Mutter, das macht es nicht besser. Aber da – zack! wird der Duploriegel zartbitter rausgeholt, jaja, ich mach das schon, ich habe viele Enkel, ich weiß, wie das geht. Die Mutter: das ist aber mein Kind. Kind auf den Arm, will Ihnen nicht zu nahe treten, aber ich gehe. Das zuerst verschreckte Kind erreicht bald drauf wieder die Schreihöchstform, mantramäßig Ich Will Zu Meinem Papaaaaa! wiederholend. An ein überbrücken von drei Stockwerken plus Hochparterre ist nicht zu denken. Nicht, ohne die vermutlich schon schlafenden Kinder im Haus zu wecken. Gut; spazieren? Sagt die Mutter. Ich. Will. Zu. Meinem. Papa. Kreeeeischchchch! Och, Kapitulation, dann halt die nächsten zwei Stunden an der Türschwelle. Doch da naht schon wieder das Unheil mit Schokoriegel, die Milde ist vorbei, jetzt reicht´s:

Missbrauchen Sie Ihr Kind? sagt das Unheil.

Die Mutter: ?

Das Unheil: seit einer Halben Stunde so ein Theater, missbrauchen Sie das Kind oder wieso verlangt es nach seinem Vater?

Die Mutter: ?

Das Unheil: soll ich die Polizei rufen ODER WAS.

Die Mutter: ?, obwohl eigentlich ja, machen Sie das mal.

Das Unheil: ja soll ich die Polizei rufen?

Die Mutter: jetzt machen Sie doch mal!

Das Unheil: Sie dumme Kuh Sie!

Das Kind wird still, die Mutter macht die Tür auf und sie gehen nach oben, kopfschüttelnd vereint im Wissen um unübertroffene Unmöglichkeiten.

Reisen mit Kind. Ein kleines Drama in drei Akten.

28 Juli 2008

Erster Akt:
Hannover City – ein Bus fährt zum Bahnhof. Eine junge Mutter plaziert RucksackKindLaufradTascheKindesrucksack um sich herum, glücklich, zwei freie Plätze nebeneinander zu erwischen. Kind sitzt, Mutter sitzt, ist ja nicht lang.
Haltestelle: eine ältere DAME kommt rein: „Würden Sie mir bitte den Platz freimachen?“ Wow, richtig, das Kind sitzt auf dem Platz mit dem Kreuz! Und wie man weiß muss Ordnung sein, so werden KindrucksackLaufradTascheKindesrucksack umgewuchtet, Hauptsache, die Schrulle sitzt.

Vorhang.

Zweiter Akt:
Zug Hannover – Osnabrück: Das Kinderabteil im IC ist nicht für die Kinder da, sondern dient dem Zweck, sie von den anderen Fahrgästen fernzuhalten. Viel mehr als das kann man darin nicht machen.

Vorhang.

Dritter Akt:
Zug Osnabrück – Hannover: wieder Kinderabteil. Vater, Tochter, Sohn aufm Weg nach Berlin. Die junge Mutter lächelt beim Hineingehen freundlich: „Ist hier noch ein Plätzchen frei?“
Der Vater: „Wenn´s sein muss“.

„Lejdis ent dschentelmen, fi arejw at Leipzig sentral stejschn. Senk ju fo trafeling wis de deutsche bahn. Wie wud lajk to felkom ju an bord agejn sun, haf a plesant jurni.“

Ende.