Wurst

16 März 2010

Ich hab nix gegen bio. Ehrlich. Wenn ich es mir leisten könnte oder wenn ich Essen eine solch hohe Stellung beimessen würde, dafür auf Anderes zu verzichten, würde ich wahrscheinlich nur regional-saisonal-bio futtern. Was mich ein wenig abstößt, ist eine gefühlte Egozentrik der Biokonsumenten. Es geht (gefühlt) darum, gesund zu sterben, ohne Metaebene Umweltschutz oder Nächstenliebe oder wasweißich. Beweis? Hier, hehe.

Überhaupt scheint der Weg, gesund zu leben und die Umwelt zu schonen, im Fleischverzicht und nicht im bei Mondlicht linksgerührten Joghurt. So zu finden im neuen Feuilleton-überschlägt-sich-Buch Eating Animals des Feuilleton-Darlings Jonathan Safran Foer. Er hat darin seinen Weg zur Fleischlosigkeit beschrieben und dabei scheinbar alles in Betracht gezogen – Schweineintelligenzquotienten, parasitäre Hochseefischerei und das osteuropäische Kartoffeln-Fleisch-Wohlfühlessen seiner Großmutter. Vielleicht lese ich es doch mal, zumindest bei letztem Thema kann ich mitreden.

Noch ein – nennen wir es Bio-Buch – ist Allein unter Gurken vom Tatort Ludwigshafen-Darsteller Andreas Hoppe. Stilistisch eine Tragödie, entfaltet es vor allem in den menschelnd-beschreibenden Passagen seinen ehhh, Charme. Hoppe schildert seinen Versuch, sich von Produkten aus einem Umkreis von 100 km von Berlin aus gesehen zu ernähren. Und: er wundert sich ehrlich darüber, dass das in Berlin so supi geht obwohl das so eine große Metropole ist und so. Naja, er lebt in Charlottenburg (diese Info habe ich nachrecherchiert indem ich den Namen einer über Seiten und Seiten besungenen Öko-Bäckerei um die Ecke von seiner Wohnung gegoogelt habe) und nicht im Prenzlauer Berg wo ihm gezwungener Maßen alle paar Schritte ein Neuland-Burger ins Gesicht springen würde.

Nachdem ich letztens erfahren habe, dass sich in der von mir heiß geliebten, vom schwarzwälder Bauer selbst gemachten und durch Dosenkonservierung transportierbaren und haltbaren Leckerwurst letale Dosenbakterien verstecken könnten, sollte ein (rein neurotisch motivierter) Fleischverzicht nur noch einen Schritt entfernt sein. Aber: ich habe eine tiefe emotionale Bindung zu Wurstprodukten. J’adore Wurst. Wurst ist ein integraler Bestandteil meiner Identität, Tofu ist Schummeln. Wuuurst!

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