Belgien, eehh… Brüssel? (Brussel, Bruxelles). Brüssel? – Einheimische Freunde schleppen einen zuerst auf den Grand Place (der groß ist und schön natürlement), aber noch wichtiger ist das Manneken Pis. Na, wat wird das wohl sein? Doch nicht ein „Pissendes Männchen“? Oh oui oui! Und ab und zu wird es auch verkleidet (als Elvis oder Reporter ohne Grenzen…what?).
Viel faszinierender jedoch als die Massen an Menschen, die eine pinkelnde Statue fotografieren, war das Benehmen der Freunde bei einem Ausflug nach flämisch-Brügge (Brugge, Bruges). Die Freunde, aus dem französisch-sprechenden Teil Büssels kommend, haben in Brügge auf Englisch Essen bestellt oder Fahrkarten gekauft. Pourquoi? Haben sie doch als Brüsseler nach eigenen Angaben in der Schule Flämisch (Bezeichnung für den niederländischen Dialekt Belgiens) gelernt?
Da müssen wa wohl am Anfang anfangen.

Wieso gibt es Belgien überhaupt? Muss diese Sprachverwirrung sein? Reichen die Niederlande und Frankreich nicht?
Also ich bitte Sie!
Als Provinz war Belgica doch schon im Römischen Reich bekannt. Und dann passierte das historisch-übliche: aufteilen, aufteilen, annektieren (alles sehr ermüdend). Im Mittelalter Teil des fränkischen Reiches, des Heiligen Römischen Reiches, zerfiel in einzelne Herzogtümer und Grafschaften. Dann kamen die Habsburger (gähn, keine hübsche Familie). 1794 von Frankreich annektiert, 1815 den Niederlanden zugesprochen. 1830 gab es Gott sei dank die belgische Revolution, seit ihrer Verfassungsgebung 1831 ist das Land eine parlamentarische Monarchie, das heisst, dass die belgische Königsfamilie 2009 aus der Staatskasse eine Gehaltserhöhung bekommt.
Aber zurück zum Sprachproblem.
Es gibt also eine niederländischsprachige Bevölkerung im Norden, französischsprachige im Süden, zwei Amtssprachen in der Hauptstadt Brüssel im Zentrum und eine kleine deutschsprachige Bevölkerung im Osten (die vergessen wir hier mal; sie wurden zwar nach dem Ersten Weltkrieg annektiert, sind aber friedfertig und freuen sich, das das Deutsche als dritte Amtssprache eingeführt wurde).

Gelb: Flämisch, rot: Französisch, geschreddet: Brüssel (beide Sprachen), blau: Deutsch
Nach der Entstehung des Königreiches Belgien 1830 wurde das Französische als einzige Amtssprache eingeführt. Das Flämische galt der Führungsschicht als Bauernsprache: das agrarische, katholisch-konservative Flandern stand im Gegensatz zum reichen, schwerindustriellen, antiklerikal-sozialistischen Wallonien. Es entstanden, wie könnte es anders sein, auf beiden Seiten nationalistische Bewegungen usw.; schließlich wurde 1930 die Uni Gent gegründet, auf der in NIederländisch unterrichtet wurde und damit ein wichtiger Schritt gemacht in Richtung Zweisprachigkeit.
Aber bitte, damit endet es doch nicht.
Geld! Wirtschaft.: War Wallonien lange Zeit der „reiche“ Teil, so wurde es in der Mitte des 20. Jahrhunderts von Flandern überflügelt. Man fing an, stärker auf die Autonomie der Regionen zu pochen.
In den 60er Jahren wurde schließlich eine Sprachgrenze gelegt; seitdem gibt es Flandern und Wallonien offiziell territorial Ende Polente? Nicht doch. Aber was treibt das alles an?
2007 konnte kein gemeinsames Parlament gebildet werden – die Flamen fordern mehr Unabhängigkeit in der Steuer- und Arbeitspolitik, die Wallonen sind dagegen…
Gründe heutzutage? Ich denke: Money makes the world go round! Und: Belgien – Zerfall oder föderales Zukunftsmodell? Sehr interessant, aber vielleicht wann anders..
