Archiv für Juli, 2008

Reisen mit Kind. Ein kleines Drama in drei Akten.

28 Juli 2008

Erster Akt:
Hannover City – ein Bus fährt zum Bahnhof. Eine junge Mutter plaziert RucksackKindLaufradTascheKindesrucksack um sich herum, glücklich, zwei freie Plätze nebeneinander zu erwischen. Kind sitzt, Mutter sitzt, ist ja nicht lang.
Haltestelle: eine ältere DAME kommt rein: „Würden Sie mir bitte den Platz freimachen?“ Wow, richtig, das Kind sitzt auf dem Platz mit dem Kreuz! Und wie man weiß muss Ordnung sein, so werden KindrucksackLaufradTascheKindesrucksack umgewuchtet, Hauptsache, die Schrulle sitzt.

Vorhang.

Zweiter Akt:
Zug Hannover – Osnabrück: Das Kinderabteil im IC ist nicht für die Kinder da, sondern dient dem Zweck, sie von den anderen Fahrgästen fernzuhalten. Viel mehr als das kann man darin nicht machen.

Vorhang.

Dritter Akt:
Zug Osnabrück – Hannover: wieder Kinderabteil. Vater, Tochter, Sohn aufm Weg nach Berlin. Die junge Mutter lächelt beim Hineingehen freundlich: „Ist hier noch ein Plätzchen frei?“
Der Vater: „Wenn´s sein muss“.

„Lejdis ent dschentelmen, fi arejw at Leipzig sentral stejschn. Senk ju fo trafeling wis de deutsche bahn. Wie wud lajk to felkom ju an bord agejn sun, haf a plesant jurni.“

Ende.

Scheiße ne, echt…

28 Juli 2008

Ehrlich: was ich gerade mache und was meinen Tag bestimmt, ist, auf meinen Job zu warten,etwas, was ich seit März schon mache. Und ehrlich? Es hat wenig von einem Urlaub wenn man darauf wartet, ob am ersten August gesagt bekommt, ob man am ersten August anfängt zu arbeiten. Jesses, das nervt…Es hat bei mir eine Schreibblockade ausgelöst!

Eigentlich wollte ich schon lange über etwas wichtiges schreiben. So tief und naiv vertrauensvoll wie meine Beziehung zu Google ist, eine Sache vermisse ich schmerzlich: wieso kann man keine ganzen Sätze googlen? Wie zum Beispiel: „Wie genau waren die die Grenzverschiebungen in Mitel- und Osteuropa seit dem frühen achtzehnten Jahrhundert?“ Oder: „Wie hieß das Buch, das letztens in so einem kleinen Artikel in der Süddeutschen Zeitung besprochen wurde?“

Andererseits: dann könnte Google ja gleich Gedanken lesen! Sowas ist gefährlich; als eine natürlich träge Person erwarte ich inzwischen, dass sich Dinge nicht nur in der digitalen Welt quasi von alleine suchen (dank Computer – Suchfunktionen), sondern auch in der analogen. Wo ist mein Bafögrückzahlungsbrief? BA FÖ GS RÜCK… Oah, ne, irgendwas ist falsch, es sucht sich nicht von selbst, vor allem nicht auf diesem Schreibtisch, da wissen die Dinge vor lauter Bäumen gar nicht, in welchem Wald sie gerade sind.

„Happy-Go-Lucky“ – gehet hin und werdet glücklich!

3 Juli 2008

Der neuer Film von Mike Leigh ist da und macht Sonne im Herzen! Sally Hawkins aka Poppy, die Hauptfigur, ist permanent am lachen und ja, es steckt an. Aber nur deshalb, weil sich viele Facetten hinter dem Lachen verbergen, weil es ihre Lebenseinstellung ist und absolut glaubwürdig. Und weil im Laufe des Films sichtbar wird, dass sie in keiner Luftblase lebt, sondern sehr genau sieht, was mit ihr und mit den Menschen um sie herum passiert. 

Poppy ist ooch noch schön albern und macht Quatsch. Sie lässt sich nicht zu einer scheinbaren Grundernsthaftigkeit zwingen, die sie qua Alter und Beruf eigentlich haben sollte – so ihre Schwester und ihr Fahrlehrer.

Der Film ist so british – schreiend komisch und brutal ernst, bewegend und bißchen grobschlächtig.

Ach mann. Das war schön.