Sinnlos

2 Februar 2010

Dort oben leuchten die Sterne, hier unten da kaufen wir

12 November 2009

Sankt Martin, der Mann, der im bitterkalten Winter seinen Mantel teilte um eine Hälfte einem nackten Armen zu schenken, er wurde von einer Lichterprozession begleitet zu Grabe getragen. Jedes Jahr am 11. November gehen viele Kinder in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit ihren Laternen raus in die Herbstdunkelheit. Und wenn man sich zu Hause was aus Glauben macht, dann geht man davor in die Kirche zur Martinsandacht, bei der auch die Martinsgeschichte erzählt wird: weil Martin zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist um das Richtige zu tun, erscheint ihm im Traum Christus, mit dem halben Mantel des Bettlers bekleidet. “Im Sinne von Mt 25,35–40 EU – „Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet … Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“ – erweist sich Martin hier als Jünger Jesu.” Thanks, Wikipedia!

Sagen wir mal: auch wenn es den (meisten) (kleinen) Kindern egal sein wird und sie sich vor allem aufs Leuchten freuen – es gibt einen Kontext, geheimnisvolle, feierliche Stimmung, es ist ein Erlebnis, das außerhalb des Alltäglichen liegt und die Story ist eigentlich ganz gut.

Zu Grabe getragen wurde gestern in der Leipziger Innenstadt von einer Lichterprozession begleitet der letzte Hauch der Bedeutung der Martinsgeschichte.

Eigentlich hörte es sich nicht so schlimm an. Es waren Vereine vertreten, den man sein Vertrauen schenkt und der Marsch wurde von der Dog Brass Band begleitet, die kinderkompatible Brassjazzmusik machen. Eeehhh, Moment. Brassjazz statt zarter Kinderstimmen? “Laterne, Laterne…” – im Laufe des groß angelegten Marsches, der schon Stunden zuvor durch ein Event mit Marktständen, Kräppelchen, Glühwein, Fotoaktion der schönsten Laternen eingeläutet wurde, versuchten sich hier und da zögernd ein paar Muttis in Stimmungerzeugen und mussten doch aufgeben.

Mehr und mehr Kinder wurden von hell erleuchteten Schaufenstern angesaugt. Playmobilwelten taten sich auf, der Weihnachtswunschzettel wurde spontan umformuliert, Schlangen bildeten sich an den mobilen Bratwurstständen, den Pommesbuden gingen die Pommes aus, es gab einen Pulli von H&M – der Marketingcoup der meinungsführenden (weil einzigen) Leipziger Tageszeitung ist aufgegangen.

Nächstes Jahr bin ich in Markkleeberg und laufe hinter Sankt Martin und seinem Pferd her. Und bis dahin lerne ich als Strafe alle Strophen von “Ich geh’ mit meiner Laterne”. Und Weihnachten gibt es keine Geschenke.


I ♥ Trees

10 November 2009

Das Kind ist am Sonntag gegen einen Baum gesprungen. Bewusst. Beim ersten Mal hat es noch ohne Blessuren geklappt, denn der Baum war ein Neigebaum. Beim nächsten Mal neigte sich der Baum nicht mehr und das Kind hat jetzt einen blauen Fleck im Gesicht, es flossen Tränen.

Das Kind meinte später, ich dürfe mir was wünschen. Wieso? Natürlich angelehnt an das Sams, das blaue Punkte im Gesicht hat, und bei jedem Wunsch, den sein Papa ausspricht (sie gehen immer in Erfüllung!), wird es ein Punkt weniger. Ich wünschte mir also unendliche Freizeit bedingt durch finanziell absicherte Abwesenheit von Arbeit (also einen echt hohen Geldgewinn jedweden Ursprungs).

Der blaue Punkt blieb und verblasst langsam, die unendliche Freizeit bleibt noch aus.


Es gibt Klopapier mit Weihnachtsduft

6 November 2009

Bäh.


Spätherbst Sit-in

2 November 2009

Ich habe Nackenweh.
Husten.
Wenn das Wetter sich ändert, kriege ich Kopfschmerzen.
Attestierte Migräne.
Fenster auf – kalt.
Fenster zu – stickig.
Bildschirmschoner-Paul, mein personal trainer des Bundesministeriums für Gesundheit, turnt mir auf dem Bildschirm was vor.
Nur: es hilft nicht!
Einzig ein sofortiger Rückzug in einen mehrmonatigen Winterschlaf, wobei der Begriff Schlaf nicht zutrifft, es wäre mehr ein längeres Bett – Sit-in gegen den persönlichen Konsumismus und den zu früh und überhaupt ungefragt eingetretenen Spätherbst mit Regen! ist die angebrachte Therapie gegen die oben genannten Symptome des Widerwillens.
Hauptsache das Internet funktioniert.
Mit einer
ausreichend hohen Zahl (≤ π) an Nackenstützkissen,
einem (1) Aufstellfrühstückstablett mit Belüftungslöchern (für den Computer),
mit zwei (2) Thermoskannen, einem (1) bettnah angebrachtem Wasserkocher und Teebeuteln (Minze-Honig mit artifiziellem und eben deshalb total überzeugendem Aroma- und Geschmack),
einer (1) Wärmflasche,
einer (1) Nähmaschine,
Tages, Wochen- und Monatspresse (1),
einer (1) leichten und einer (1) mittelschweren Zudeckdecke,
einer (1) ausreichenden Zahl an Essensbestellzetteln (der indische PizzaGyrosNudelnschnitzellieferservice von der Karli tät’s auch) ,
und einem (1) Empfangshocker für gebetenen, ungebetenen sowie spontanen Besuch,
das wäre echt der Himmel gerade.
Und das alles gerne nine to five.
Aber schon Konfuzius sagte mal an einem unfreundlichen Novembertag und als ihm alles über den Kopf wuchs: !ﭔﻥﻀ ! ﻉﺰ,ﻗﻀשׁ, קּטּ
Das lasse ich jetzt so stehen, da stimme ich jetzt einfach zu und beuge mich.


Polentage

18 September 2009

Es gibt gute Polentage und schlechte Polentage. An guten Polentagen ist es Herbst, auf der Straße riecht es nach Kohlenrauch, die Sonne scheint und ich gehe in eine alte Konditorei im Souterrain, es riecht wieder, nach alten, feuchten Mauern und schon von draußen nach Zucker, nach Zuckermark, nach dem Ursprung allen Zuckers. Nicht klebrig süß sonder puderig beständig. Und dann gibt es einen Krapfen, Berliner, Pfannkuchen, ich nenne ihn mal pączek, regionale Namensunterschiede sind mir nicht bekannt. In Fett ausgebraten, am liebsten mit wenig Marmelade, es gibt ihn wohl auch mit Zugerguss aber für mich bitte nur mit Puderzucker. Und wenn draußen Sommer ist, gibt es jagodzianki, Hefebrötchen mit Blaubeerfüllung, in meiner Erinnerung zumindest, jetzt ersetzt durch eine enttäuschende glibbrige Tunke wenn ich Pech habe.

Ohnehin gibt es keine guten Polentage im Sommer, es ist zu heiß und es stinkt nach Abgasen, nach zu vielen alten Dieselmotoren auf zu schmalen Straßen. An guten Herbstpolentagen sammle ich Buchweizen ohne zu wissen, wie er heißt, aber ich weiß früh, dass man ihn essen kann. Später finde ich es wieder, als Mehl, im Bioladen. Eigentlich esse ich ständig Natur, die Enden langer, dicker Grashalme sind saftig und süß, genau wie die roten Samenmäntel der Eibe (wie viele Male wohl dem Tod von der Schippe gesprungen?)

An schlechten Polentagen scheint die Sonne und der Typ neben der Bäckerei ist total besoffen. Die Frau in der Bäckerei in ihrer weißen Polyesterschürze hält mir die Hand fürs Kleingeld hin während ihr restliches Wesen im Gespräch mit der Kollegin vertieft ist. Ständig werde ich von dünnen Frauen mit fransigen, glätteisengeglätteten Haaren gemustert, von oben – nach unten – nach oben.

Gelogen: es gibt auch gute Sommerpolentage. Sie fangen an, wenn Polen an den Rändern ausfranst. Es passiert nicht viel. Ich fahre eine Allee lang, rechts und links liegen sanfte Hügel, oben ist ein hoher oder tiefer Himmel, mit Wolken, Wolken jagen und flupp, ich bin in Zeit zurückversetzt, nein, es gibt keine Zeit. Links und rechts stehen kleine masurische Holzhäuser oder Häuser aus altem, rotem Backstein. Vor den Häusern sind kleine Gärten mit Stockrosen, Wicken, Ringelblumen und Tausendschön. Ab und zu fahre ich an einem Pferdehof vorbei oder an einem gepimpten Ex-Sommerlager für Bergwerkarbeiterfamilien, die Bungalows, domki, haben schräge Dächer, die fast bis auf die Erde reichen. Es riecht nach warmem, unaufgeräumtem Wald. Ich fahre an einem See vorbei, noch einem, die Gletscherzeitgletscher haben inflationär viele Seen zurückgelassen. Am Ende der Straße sitzt dann eine alte Frau auf einer alten Bank. Die Frau trägt selbstverständlich Kopftuch und Schürze und Pantoffeln und über ihr hängt ein Schild und auf dem Schild steht: Ende der Welt.


LNDN

5 August 2009

Hello Everybody,

Today I am going to write about my upcoming trip to Lndn. This of course is the correct transcription of what the Continentals think is the British English Received Pronounciation pronounciation of the word ‘London’. Well, what can I say… it is!

All right then, my upcoming trip is upcoming in December (at least it’s this year) and I am very much looking forward to it. In my imagination it’s a sort of summer kind of winter, meaning 23-24 degrees, not getting dark before 11 pm and other summer hot sexy sweaty feeling stuff involving loads of happy, good looking people but FOR GOD’S SAKE, how could you ever think about fucking winter right now!

Details: I am going to stay in East Lndn – awesome! My plan is to book a 1 GBP per night room in The Hoxton and have loads of Indian food all along the Brick Lane (which is a street, a book and a film, can you say that about yourself? Well, you probably can’t). And then, … (skipping the most enjoyable and profoundly capitalistic Oxford Street Buying Frenzy bit)… (The Tate Modern bit)… (The Five O’Clock Tea in the Ritz bit (I will shit my pants before going in, wish me luck!)) … And then, Saturday evening, I am going to see my devine, overwhelming and executive role model EDDIE IZZARD! Yeeeeeaaaahhhh!

I am going to sit in the Wembley Arena and cry because I will be so happy and because I will be molesting my neighbours going: ‘Sorry, I’m not vrom hier, what did he just say?’

Just kidding. It will be a night full of laughter and joyfulness!

On Sunday I will sleep in and then I will visit the small Bagle Shop I have visited last time already and then I will visit the Brick Lane market I have visited last time already – human beings certainly stick to what they know.

And if I can let myself drift a little bit (despite ze kold and ze rejn), maybe I will find some more fine places I will cörtainly tell ju about.

Good night, sleep tight, don’t let the bed bugs bite!


Zauberbettarrangement – du kannst dich nicht zu mir legen, da schläft das Schaf

12 März 2009

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Passiert nüscht

12 März 2009

Die letzten drei Monate: die Retrospektive einer Mutter

Januar – die Kita:

 - Frau Dingens, könnten Sie Ihr Kind abholen, sie wurde nach dem Essen ganz blass und zitterte. – Ach so, was gab’s denn?  - Hefeklöße und Pflaumenkompott, war ganz lecker, also ich weiß auch nicht… – Eh.., ich dachte an Allergien oder so…

Die Kinderärztin:

- Infekt der irgendwas irgendwas, kein Kindergarten bis ins nächste Jahrtausend.

Zeitenwende Februar/März – die Kita:

- Frau Dingens, könnten Sie Ihr Kind abholen, wir denken, es sind die Windpocken. 

Die Kinderärztin:

- Es sind die Windpocken. 

März, nach zwei Tagen Kindergarten, 5.40 Uhr – das Kind:

- Maami! Maaaami! – Hui, bist du warm (kruschtel kruschtel, Supertermometer ins Ohr) – Oh, 39,8 Grad Celsius, kannstdumalbeimarztanrufenundeinenkaffemachenichmussheute
dringendarbeitengehensollenwirwürfelnoderschnickschnackschnuck?

Die Kinderärztin:

- Oh, hallo, ja, eine Magendarmblasenentzündung. 

Zur Ergänzung: Kinderviren sind sehr giftig und befallen auch Erwachsene. Aber bald ist ja der Frühling schon mal da gewesen wieder weg und dann wird alles gut.


Gute Ansätze

2 Januar 2009

Happy New Year 2009! Und damit es nicht gleich in Stress ausartet, nach Möglichkeit nichts vornehmen. Unter Umständen sollten jedoch die guten Ansätze des Jahres 2008 gepflegt werden, wobei in diesem Kontext Ansatz auf gar keinen Fall auch nur in die Nähe des Vorsatzes gerückt werden darf. Die einzig richtige Frage, die unter Umständen und ohne einem ironischen Unterton gestellt werden darf, ist: … keine, am besten wird die- oder derjenige gar nicht gefragt, das übt Druck aus und den kann man am Anfang des Jahres nicht gebrauchen, eigentlich auch nicht in der Mitte, außerdem macht man sich den meistens ja selber. 

Gute Ansätze des Jahres 2009 also:

- wenn krank, die verschriebenen Medikamente auch nehmen, gelegentlich sogar bis die Packung alle ist. Dabei soll außer Acht gelassen werden, dass sogar die Einnahme einer größeren Menge von so harmlos wirkendem Nasenspray zu “Blässe und Blaufärbung von Haut und Lippen” führen kann – manchmal ist sowas ja gewünscht. Auch das “Aussetzen der Atmung” und “Lethargie, Schläfrigkeit und Koma” kann man sich harmlos reden und unter Frühjahrsmüdigkeit laufen lassen. Und um “Angstgefühl, Erregung, Halluzinationen und Krämpfe” zu bekommen, muss man manchmal viel Geld ausgeben wohingegen so ein Spray um die 3,60 kostet;

- sich das ganze Jahr an alle Geburtstage erinnern (schwer für Menschen mit chronischer Geburtstagsamnesie). Das Mittel der Wahl dieses Jahr ist das Festhalten der Geburtstage im klassischen Papierkalender (mit kleinen auffälligen Geburtstagsaufklebern versehen), im Computerkalender mit Erinnerungsfunktion sowie das regelmäßige Besuchen der Facebook-Seite; es wurde sogar die Anschaffung eines Geburtstagskalenders überlegt aber aus Designgründen verworfen (kein, KEIN Janosch nie außerhalb des Kinderzimmers). Für das Übertragen der Daten ins Handy war man bis dato noch zu träge – warten, bis man voraussichtlich 2010-11 ein neues hat, das sich mit dem Computer synchronisieren lässt;

- mehr bloggen, jawoll.

Die kleinen Ansätze zuletzt: 

- Französisch lernen (heute beim Institü Francseee angemeldet!);

- auf dem Satz “Großmutter Anna hat sich nicht für uns interessiert” aufbauend ein Buch schreiben;

- promovieren.

Nur die harten kommen in den Garten.