Es gibt Klopapier mit Weihnachtsduft.

6 November 2009

Bäh.


Spätherbst Sit-in

2 November 2009

Ich habe Nackenweh.
Husten.
Wenn das Wetter sich ändert, kriege ich Kopfschmerzen.
Attestierte Migräne.
Fenster auf – kalt.
Fenster zu – stickig.
Bildschirmschoner-Paul, mein personal trainer des Bundesministeriums für Gesundheit, turnt mir auf dem Bildschirm was vor.
Nur: es hilft nicht!
Einzig ein sofortiger Rückzug in einen mehrmonatigen Winterschlaf, wobei der Begriff Schlaf nicht zutrifft, es wäre mehr ein längeres Bett – Sit-in gegen den persönlichen Konsumismus und den zu früh und überhaupt ungefragt eingetretenen Spätherbst mit Regen! ist die angebrachte Therapie gegen die oben genannten Symptome des Widerwillens.
Hauptsache das Internet funktioniert.
Mit einer
ausreichend hohen Zahl (≤ π) an Nackenstützkissen,
einem (1) Aufstellfrühstückstablett mit Belüftungslöchern (für den Computer),
mit zwei (2) Thermoskannen, einem (1) bettnah angebrachtem Wasserkocher und Teebeuteln (Minze-Honig mit artifiziellem und eben deshalb total überzeugendem Aroma- und Geschmack),
einer (1) Wärmflasche,
einer (1) Nähmaschine,
Tages, Wochen- und Monatspresse (1),
einer (1) leichten und einer (1) mittelschweren Zudeckdecke,
einer (1) ausreichenden Zahl an Essensbestellzetteln (der indische PizzaGyrosNudelnschnitzellieferservice von der Karli tät’s auch) ,
und einem (1) Empfangshocker für gebetenen, ungebetenen sowie spontanen Besuch,
das wäre echt der Himmel gerade.
Und das alles gerne nine to five.
Aber schon Konfuzius sagte mal an einem unfreundlichen Novembertag und als ihm alles über den Kopf wuchs: !ﭔﻥﻀ ! ﻉﺰ,ﻗﻀשׁ, קּטּ
Das lasse ich jetzt so stehen, da stimme ich jetzt einfach zu und beuge mich.


Polentage

18 September 2009

Es gibt gute Polentage und schlechte Polentage. An guten Polentagen ist es Herbst, auf der Straße riecht es nach Kohlenrauch, die Sonne scheint und ich gehe in eine alte Konditorei im Souterrain, es riecht wieder, nach alten, feuchten Mauern und schon von draußen nach Zucker, nach Zuckermark, nach dem Ursprung allen Zuckers. Nicht klebrig süß sonder puderig beständig. Und dann gibt es einen Krapfen, Berliner, Pfannkuchen, ich nenne ihn mal pączek, regionale Namensunterschiede sind mir nicht bekannt. In Fett ausgebraten, am liebsten mit wenig Marmelade, es gibt ihn wohl auch mit Zugerguss aber für mich bitte nur mit Puderzucker. Und wenn draußen Sommer ist, gibt es jagodzianki, Hefebrötchen mit Blaubeerfüllung, in meiner Erinnerung zumindest, jetzt ersetzt durch eine enttäuschende glibbrige Tunke wenn ich Pech habe.

Ohnehin gibt es keine guten Polentage im Sommer, es ist zu heiß und es stinkt nach Abgasen, nach zu vielen alten Dieselmotoren auf zu schmalen Straßen. An guten Herbstpolentagen sammle ich Buchweizen ohne zu wissen, wie er heißt, aber ich weiß früh, dass man ihn essen kann. Später finde ich es wieder, als Mehl, im Bioladen. Eigentlich esse ich ständig Natur, die Enden langer, dicker Grashalme sind saftig und süß, genau wie die roten Samenmäntel der Eibe (wie viele Male wohl dem Tod von der Schippe gesprungen?)

An schlechten Polentagen scheint die Sonne und der Typ neben der Bäckerei ist total besoffen. Die Frau in der Bäckerei in ihrer weißen Polyesterschürze hält mir die Hand fürs Kleingeld hin während ihr restliches Wesen im Gespräch mit der Kollegin vertieft ist. Ständig werde ich von dünnen Frauen mit fransigen, glätteisengeglätteten Haaren gemustert, von oben – nach unten – nach oben.

Gelogen: es gibt auch gute Sommerpolentage. Sie fangen an, wenn Polen an den Rändern ausfranst. Es passiert nicht viel. Ich fahre eine Allee lang, rechts und links liegen sanfte Hügel, oben ist ein hoher oder tiefer Himmel, mit Wolken, Wolken jagen und flupp, ich bin in Zeit zurückversetzt, nein, es gibt keine Zeit. Links und rechts stehen kleine masurische Holzhäuser oder Häuser aus altem, rotem Backstein. Vor den Häusern sind kleine Gärten mit Stockrosen, Wicken, Ringelblumen und Tausendschön. Ab und zu fahre ich an einem Pferdehof vorbei oder an einem gepimpten Ex-Sommerlager für Bergwerkarbeiterfamilien, die Bungalows, domki, haben schräge Dächer, die fast bis auf die Erde reichen. Es riecht nach warmem, unaufgeräumtem Wald. Ich fahre an einem See vorbei, noch einem, die Gletscherzeitgletscher haben inflationär viele Seen zurückgelassen. Am Ende der Straße sitzt dann eine alte Frau auf einer alten Bank. Die Frau trägt selbstverständlich Kopftuch und Schürze und Pantoffeln und über ihr hängt ein Schild und auf dem Schild steht: Ende der Welt.


LNDN

5 August 2009

Hello Everybody,

Today I am going to write about my upcoming trip to Lndn. This of course is the correct transcription of what the Continentals think is the British English Received Pronounciation pronounciation of the word ‘London’. Well, what can I say… it is!

All right then, my upcoming trip is upcoming in December (at least it’s this year) and I am very much looking forward to it. In my imagination it’s a sort of summer kind of winter, meaning 23-24 degrees, not getting dark before 11 pm and other summer hot sexy sweaty feeling stuff involving loads of happy, good looking people but FOR GOD’S SAKE, how could you ever think about fucking winter right now!

Details: I am going to stay in East Lndn – awesome! My plan is to book a 1 GBP per night room in The Hoxton and have loads of Indian food all along the Brick Lane (which is a street, a book and a film, can you say that about yourself? Well, you probably can’t). And then, … (skipping the most enjoyable and profoundly capitalistic Oxford Street Buying Frenzy bit)… (The Tate Modern bit)… (The Five O’Clock Tea in the Ritz bit (I will shit my pants before going in, wish me luck!)) … And then, Saturday evening, I am going to see my devine, overwhelming and executive role model EDDIE IZZARD! Yeeeeeaaaahhhh!

I am going to sit in the Wembley Arena and cry because I will be so happy and because I will be molesting my neighbours going: ‘Sorry, I’m not vrom hier, what did he just say?’

Just kidding. It will be a night full of laughter and joyfulness!

On Sunday I will sleep in and then I will visit the small Bagle Shop I have visited last time already and then I will visit the Brick Lane market I have visited last time already – human beings certainly stick to what they know.

And if I can let myself drift a little bit (despite ze kold and ze rejn), maybe I will find some more fine places I will cörtainly tell ju about.

Good night, sleep tight, don’t let the bed bugs bite!


Zauberbettarrangement – du kannst dich nicht zu mir legen, da schläft das Schaf

12 März 2009

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Passiert nüscht

12 März 2009

Die letzten drei Monate: die Retrospektive einer Mutter

Januar – die Kita:

 - Frau Dingens, könnten Sie Ihr Kind abholen, sie wurde nach dem Essen ganz blass und zitterte. – Ach so, was gab’s denn?  - Hefeklöße und Pflaumenkompott, war ganz lecker, also ich weiß auch nicht… – Eh.., ich dachte an Allergien oder so…

Die Kinderärztin:

- Infekt der irgendwas irgendwas, kein Kindergarten bis ins nächste Jahrtausend.

Zeitenwende Februar/März – die Kita:

- Frau Dingens, könnten Sie Ihr Kind abholen, wir denken, es sind die Windpocken. 

Die Kinderärztin:

- Es sind die Windpocken. 

März, nach zwei Tagen Kindergarten, 5.40 Uhr – das Kind:

- Maami! Maaaami! – Hui, bist du warm (kruschtel kruschtel, Supertermometer ins Ohr) – Oh, 39,8 Grad Celsius, kannstdumalbeimarztanrufenundeinenkaffemachenichmussheute
dringendarbeitengehensollenwirwürfelnoderschnickschnackschnuck?

Die Kinderärztin:

- Oh, hallo, ja, eine Magendarmblasenentzündung. 

Zur Ergänzung: Kinderviren sind sehr giftig und befallen auch Erwachsene. Aber bald ist ja der Frühling schon mal da gewesen wieder weg und dann wird alles gut.


Gute Ansätze

2 Januar 2009

Happy New Year 2009! Und damit es nicht gleich in Stress ausartet, nach Möglichkeit nichts vornehmen. Unter Umständen sollten jedoch die guten Ansätze des Jahres 2008 gepflegt werden, wobei in diesem Kontext Ansatz auf gar keinen Fall auch nur in die Nähe des Vorsatzes gerückt werden darf. Die einzig richtige Frage, die unter Umständen und ohne einem ironischen Unterton gestellt werden darf, ist: … keine, am besten wird die- oder derjenige gar nicht gefragt, das übt Druck aus und den kann man am Anfang des Jahres nicht gebrauchen, eigentlich auch nicht in der Mitte, außerdem macht man sich den meistens ja selber. 

Gute Ansätze des Jahres 2009 also:

- wenn krank, die verschriebenen Medikamente auch nehmen, gelegentlich sogar bis die Packung alle ist. Dabei soll außer Acht gelassen werden, dass sogar die Einnahme einer größeren Menge von so harmlos wirkendem Nasenspray zu „Blässe und Blaufärbung von Haut und Lippen“ führen kann – manchmal ist sowas ja gewünscht. Auch das „Aussetzen der Atmung“ und „Lethargie, Schläfrigkeit und Koma“ kann man sich harmlos reden und unter Frühjahrsmüdigkeit laufen lassen. Und um „Angstgefühl, Erregung, Halluzinationen und Krämpfe“ zu bekommen, muss man manchmal viel Geld ausgeben wohingegen so ein Spray um die 3,60 kostet;

- sich das ganze Jahr an alle Geburtstage erinnern (schwer für Menschen mit chronischer Geburtstagsamnesie). Das Mittel der Wahl dieses Jahr ist das Festhalten der Geburtstage im klassischen Papierkalender (mit kleinen auffälligen Geburtstagsaufklebern versehen), im Computerkalender mit Erinnerungsfunktion sowie das regelmäßige Besuchen der Facebook-Seite; es wurde sogar die Anschaffung eines Geburtstagskalenders überlegt aber aus Designgründen verworfen (kein, KEIN Janosch nie außerhalb des Kinderzimmers). Für das Übertragen der Daten ins Handy war man bis dato noch zu träge – warten, bis man voraussichtlich 2010-11 ein neues hat, das sich mit dem Computer synchronisieren lässt;

- mehr bloggen, jawoll.

Die kleinen Ansätze zuletzt: 

- Französisch lernen (heute beim Institü Francseee angemeldet!);

- auf dem Satz „Großmutter Anna hat sich nicht für uns interessiert“ aufbauend ein Buch schreiben;

- promovieren.

Nur die harten kommen in den Garten.


WOSTROPA. Heute: Belgien (België, Belgique)

5 Dezember 2008

Belgien, eehh… Brüssel? (Brussel, Bruxelles). Brüssel? – Einheimische Freunde schleppen einen zuerst auf den Grand Place (der groß ist und schön natürlement), aber noch wichtiger ist das Manneken Pis. Na, wat wird das wohl sein? Doch nicht ein „Pissendes Männchen“? Oh oui oui! Und ab und zu wird es auch verkleidet (als Elvis oder Reporter ohne Grenzen…what?).

Viel faszinierender jedoch als die Massen an Menschen, die eine pinkelnde Statue fotografieren, war das Benehmen der Freunde bei einem  Ausflug nach flämisch-Brügge (Brugge, Bruges). Die Freunde, aus dem französisch-sprechenden Teil Büssels kommend, haben in Brügge auf Englisch Essen bestellt oder Fahrkarten gekauft. Pourquoi? Haben sie doch als Brüsseler nach eigenen Angaben in der Schule Flämisch (Bezeichnung für den niederländischen Dialekt Belgiens) gelernt?

Da müssen wa wohl am Anfang anfangen.

Belgien

Wieso gibt es Belgien überhaupt? Muss diese Sprachverwirrung sein? Reichen die Niederlande und Frankreich nicht? 

Also ich bitte Sie!

Als Provinz war Belgica doch schon im Römischen Reich bekannt. Und dann passierte das historisch-übliche: aufteilen, aufteilen, annektieren (alles sehr ermüdend). Im Mittelalter Teil des fränkischen Reiches, des Heiligen Römischen Reiches, zerfiel in einzelne Herzogtümer und Grafschaften. Dann kamen die Habsburger (gähn, keine hübsche Familie). 1794  von Frankreich annektiert, 1815 den Niederlanden zugesprochen. 1830 gab es Gott sei dank die belgische Revolution, seit ihrer Verfassungsgebung 1831 ist das Land eine parlamentarische Monarchie, das heisst, dass die belgische Königsfamilie 2009 aus der Staatskasse eine Gehaltserhöhung bekommt.

Aber zurück zum Sprachproblem.

Es gibt also eine niederländischsprachige Bevölkerung im Norden, französischsprachige im Süden, zwei Amtssprachen in der Hauptstadt Brüssel im Zentrum und eine kleine deutschsprachige Bevölkerung im Osten (die vergessen wir hier mal; sie wurden zwar nach dem Ersten Weltkrieg annektiert, sind aber friedfertig und freuen sich, das das Deutsche als dritte Amtssprache eingeführt wurde). 

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Gelb: Flämisch, rot: Französisch, geschreddet: Brüssel (beide Sprachen), blau: Deutsch

Nach der Entstehung des Königreiches Belgien 1830 wurde das Französische als einzige Amtssprache eingeführt. Das Flämische galt der Führungsschicht als Bauernsprache: das agrarische, katholisch-konservative Flandern stand im Gegensatz zum reichen, schwerindustriellen, antiklerikal-sozialistischen Wallonien. Es entstanden, wie könnte es anders sein, auf beiden Seiten nationalistische Bewegungen usw.; schließlich wurde 1930 die Uni Gent gegründet, auf der in NIederländisch unterrichtet wurde und damit ein wichtiger Schritt gemacht in Richtung Zweisprachigkeit.

Aber bitte, damit endet es doch nicht.

Geld! Wirtschaft.: War Wallonien lange Zeit der „reiche“ Teil, so wurde es in der Mitte des 20. Jahrhunderts von Flandern überflügelt. Man fing an, stärker auf die Autonomie der Regionen zu pochen.

In den 60er Jahren wurde schließlich eine Sprachgrenze gelegt; seitdem gibt es Flandern und Wallonien offiziell territorial Ende Polente? Nicht doch. Aber was treibt das alles an?

2007 konnte kein gemeinsames Parlament gebildet werden – die Flamen fordern mehr Unabhängigkeit in der Steuer- und Arbeitspolitik, die Wallonen sind dagegen… 

Gründe heutzutage? Ich denke: Money makes the world go round! Und: Belgien – Zerfall oder föderales Zukunftsmodell? Sehr interessant, aber vielleicht wann anders..


Lost and Found

20 November 2008

Gehe ich bald verloren an die digitale Welt? Werde ich mich bald nicht mehr regulär betten und wird mein Schreibtisch-Mittagschläfchen zum Standardprogramm werden? 

Die Verpflichtungen bei Facebook (neues Hobby) und Xing (alte Notwendigkeit) nehmen zu, ich skype und chatte und maile, podcaste und lastfm-e. Eine kurze Zeit führte mich die Neugier auch zu StayFriends (na, sind sie fett geworden und alt oder strahlend erfolgreich? Nichts von beiden). Noch schlimmer: inzwischen krame ich Schulkameraden aus der Grundschulzeit in Polen bei „Unsere Schulklasse“ raus. Und hier fängt es an, interessant zu werden. Die Leute habe ich zwanzig Jahre nicht mehr gesehen. Und bei manchen weiß ich auch gar nicht mehr, wer das sein soll. Aber es knüpft an meine Vergangenheit an, es gibt eine Plattform, vielleicht auch mal ein Treffen?

Da wäre noch Facebook und die Suche nach Mitbewohnern aus meiner Unizeit im Ausland. Reinstes Jagdfieber! Zeitliche Entfernung – acht Jahre. Noch zu erinnern. 

Und dann aber – die Reisen. Unvergessen und tausend Jahre her. Aber hey – ich habe mir die Namen und Adressen tatsächlich aufgeschrieben. Und: ja, ich habe die Notizbücher noch! Kramkramkram, login, wen finden wir denn heute wohl…

Und überhaupt: Notizbücher, Sammelsurien von Sammelkram, GOLDGRUBEN. Inzwischen halte ich mich ja für zu alt und meine Wohnung für zu klein um Theaterkarteneintrittskartenstadtplänemuseenbeschreibungen zu behalten. Wat ein Fehler! So erinnert man sich sozusagen sensuell an die Dinge, die man sonst, ja, vergisst!

Sammle, Welt, sammle!

Hier mein Fundstück von heute: Auckland, Neuseeland, 1996, Backpackerunterkunft: „Hi, I`m Andrew from Santa Cruz, California„. Enjoy!


Miterziehen

16 Oktober 2008

Eine Mutter und ihr müdes Kind (mit vier Jahren in bestem Trotzalter) kommen abends nach Hause. Die Laune des Kindes schlägt um und es verlangt nach seinem Vater, der in einer Lesung sitzt und gerade nicht zur Verfügung steht. Dies wird mit lautem Kreischen und weinen quittiert, tja, hilft nix (denkt die Mutter und setzt sich aufs Mäuerchen beim Haus). Abwarten ist die Devise. Doch moment. Ein älterer Herr eilt von der anderen Straßenseite herbei mit dem festen Vorsatz, der Mutter zu helfen. Na, meine Kleine, sagt der Schwabe? Bayer? was is denn hör doch mal auf is doch nich so schlimm tätschel tätschel. Lassen Sie das mal, sagt die Mutter, das macht es nicht besser. Aber da – zack! wird der Duploriegel zartbitter rausgeholt, jaja, ich mach das schon, ich habe viele Enkel, ich weiß, wie das geht. Die Mutter: das ist aber mein Kind. Kind auf den Arm, will Ihnen nicht zu nahe treten, aber ich gehe. Das zuerst verschreckte Kind erreicht bald drauf wieder die Schreihöchstform, mantramäßig Ich Will Zu Meinem Papaaaaa! wiederholend. An ein überbrücken von drei Stockwerken plus Hochparterre ist nicht zu denken. Nicht, ohne die vermutlich schon schlafenden Kinder im Haus zu wecken. Gut; spazieren? Sagt die Mutter. Ich. Will. Zu. Meinem. Papa. Kreeeeischchchch! Och, Kapitulation, dann halt die nächsten zwei Stunden an der Türschwelle. Doch da naht schon wieder das Unheil mit Schokoriegel, die Milde ist vorbei, jetzt reicht´s:

Missbrauchen Sie Ihr Kind? sagt das Unheil.

Die Mutter: ?

Das Unheil: seit einer Halben Stunde so ein Theater, missbrauchen Sie das Kind oder wieso verlangt es nach seinem Vater?

Die Mutter: ?

Das Unheil: soll ich die Polizei rufen ODER WAS.

Die Mutter: ?, obwohl eigentlich ja, machen Sie das mal.

Das Unheil: ja soll ich die Polizei rufen?

Die Mutter: jetzt machen Sie doch mal!

Das Unheil: Sie dumme Kuh Sie!

Das Kind wird still, die Mutter macht die Tür auf und sie gehen nach oben, kopfschüttelnd vereint im Wissen um unübertroffene Unmöglichkeiten.